13. Februar 2026

Heat Training in der Praxis – Wärmestress gezielt steuern

Heat Training in der Praxis bedeutet mehr als Training bei hohen Temperaturen. Entscheidend ist die gezielte Steuerung des Wärmestresses, um physiologische Anpassungen wie die Expansion des Plasmavolumens, eine verbesserte Thermoregulation und eine stabilere kardiovaskuläre Belastbarkeit auszulösen. Während im vorherigen Artikel die physiologischen Grundlagen von Hitzereizen im Ausdauersport erläutert wurden, steht hier die konkrete Umsetzung im Fokus. Denn nicht die Temperatur allein entscheidet über den Trainingseffekt, sondern die kontrollierte Dosierung des thermischen Reizes.

Heat Training ist daher nicht gleichzusetzen mit bloßem Training bei Hitze. Ähnlich wie VO₂max-Intervalle kein „All-out“-Fahren sind, geht es beim Heat Training nicht darum, „so heiß wie möglich“ zu werden, sondern einen adaptationswirksamen Bereich kontrolliert zu erreichen.

 

 

1. Unterschied zwischen Heat Training, Heat Acclimation und Heat Acclimatization

Für ein strukturiertes Heat Training in der Praxis ist die begriffliche Abgrenzung wichtig:

Heat Training
Gezielter Einsatz von Hitzereizen im Training – unabhängig davon, ob diese künstlich oder natürlich erzeugt werden.

Heat Acclimation
Anpassung an Hitze unter kontrollierten Bedingungen, z. B. durch zusätzliche Kleidung oder Wärmekammern.

Heat Acclimatization
Anpassung an Hitze unter natürlichen Umweltbedingungen, etwa durch Training in warmem Klima. Im Deutschen werden beide Anpassungsformen meist unter „Hitzeakklimatisation“ zusammengefasst.

 

2. Nicht die Hitze entscheidet – sondern der Wärmestress

Ein zentraler Aspekt im Heat Training in der Praxis ist das Verständnis, dass nicht die Umgebungstemperatur an sich adaptationswirksam ist, sondern der resultierende Wärmestress des Körpers.

Dieser ergibt sich aus dem Zusammenspiel von:

  • Körperkerntemperatur
  • Hauttemperatur
  • Dauer der Exposition
  • individueller Thermoregulation

Konzepte wie die Heat Zones nach CORE übertragen diese physiologischen Prinzipien in die Trainingspraxis und ermöglichen eine strukturierte Steuerung des Hitzereizes.

 

 

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3. Core-Temperatur-Zonen im Heat Training

Zur Dosierung des Wärmestresses werden sogenannte Core-Temperatur-Zonen genutzt. Sie dienen nicht der Leistungsbewertung, sondern der Steuerung des thermischen Trainingsreizes.

Zone 1 – geringer Wärmestress

Kerntemperatur nur leicht erhöht. In der Regel kein relevanter Adaptationsreiz.

Zone 2 – moderater Wärmestress

Anhaltend erhöhte Kerntemperatur, erste thermoregulatorische Anpassungen möglich. Für zentrale Anpassungen wie Plasmavolumenexpansion häufig nicht ausreichend.

Zone 3 – adaptationswirksamer Wärmestress

Zielbereich für effektives Heat Training. Der Wärmestress ist hoch genug, um physiologische Anpassungen auszulösen, bleibt jedoch kontrollierbar. Entscheidend ist die kumulative Zeit in Zone 3.

Zone 4 – exzessiver Wärmestress

Nicht Ziel eines strukturierten Heat Trainings. Hier überwiegen Risiken wie Überhitzung, Dehydratation und eingeschränkte Trainingsqualität.

 

 

 

 

4. Durchführung von Heat Training in der Praxis

Ein wirksames Heat Training in der Praxis entsteht nicht durch extreme Temperaturen, sondern durch kontrollierten und ausreichend langen Wärmestress.

Praxisorientierte Richtwerte:

  • 30–60 Minuten kontinuierlich in Zone 3
  • Fortgeschrittene: bis zu 80 Minuten möglich
  • Einsteiger: bereits ~20 Minuten können adaptationswirksam sein

Entscheidend ist nicht das kurzfristige Erreichen der Zielzone, sondern die stabile Verweildauer unter erhöhtem thermischem Stress.

 

 

 

 

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5. Intensitätssteuerung unter Hitzestress

Unter Wärmestress steigt die Herzfrequenz bei konstanter Leistung progressiv an (kardiovaskulärer Drift).

In der Praxis bedeutet das: Nach Erreichen von Heat Zone 3 wird die Leistung häufig reduziert, um die Herzfrequenz stabil zu halten und eine übermäßige Belastung zu vermeiden.

So bleibt die Trainingsqualität erhalten, während der Wärmereiz weiterhin adaptationswirksam ist.

6. Warum die Hauttemperatur entscheidend ist

Für effektives Heat Training in der Praxis reicht die Kerntemperatur allein nicht aus. Anpassungen entstehen durch das Zusammenspiel von zentralem und peripherem Wärmestress.

Die Haut übernimmt dabei zentrale Funktionen:

  • Sensorische Rückmeldung über Thermorezeptoren
  • Steuerung der peripheren Vasodilatation
  • Regulation von Schweißbeginn und -rate

Ist die Hauttemperatur zu niedrig, bleibt der Wärmetransport vom Körperkern limitiert – selbst bei erhöhter Kerntemperatur. Ein effektiver Hitzereiz erfordert daher die kombinierte Erhöhung von Kern- und Hauttemperatur.

Studien zeigen, dass vergleichbare Anpassungen sowohl durch warme Umgebungstemperaturen als auch durch zusätzliche isolierende Kleidung erreicht werden können – entscheidend ist der resultierende thermische Stress, nicht dessen Ursache.

7. Heat Acclimation strategisch planen

Für eine vollständige Heat Acclimation sind in der Regel:

  • 10–14 Heat Sessions
  • innerhalb von ca. 2 Wochen notwendig

Die Anpassungsgeschwindigkeit hängt maßgeblich von der Expositionsfrequenz ab. Tägliche oder jeden zweiten Tag durchgeführte Einheiten führen zu schnelleren Anpassungen hinsichtlich:

  • Plasmavolumen
  • Schweißrate
  • kardiovaskulärer Stabilität

Nach abgeschlossener Akklimatisation sind 1–3 Heat Sessions pro Woche ausreichend, um die Anpassungen weitgehend zu erhalten.

8. Fazit: Heat-Training in der Praxis

Heat Training in der Praxis erfordert eine kontrollierte Steuerung des Wärmestresses. Entscheidend sind Kerntemperatur, Hauttemperatur und die Dauer der Exposition – nicht allein die Umgebungstemperatur.

Richtig eingesetzt kann Heat Training die Thermoregulation verbessern, das kardiovaskuläre System stabilisieren und die Belastbarkeit unter Hitze steigern. Unkontrolliertes Überhitzen hingegen führt primär zu Ermüdung und Leistungsabfall.

Gezielter Wärmestress ist somit kein Zufallsprodukt, sondern ein strukturierter Trainingsreiz.

 

 

Literatur

Daanen, H.A.M., Racinais, S. & Périard, J.D. (2018). Heat Acclimation Decay and Re-Induction: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine 48, 409–430. https://doi.org/10.1007/s40279-017-0808-x

Lundby, C., & Robach, P. (2025). Altitude or heat training to increase haemoglobin mass and endurance exercise performance in elite sport. The Journal of Physiology, Open Access. https://doi.org/10.1113/JP287700

Périard, J. D., Racinais, S., & Sawka, M. N. (2015). Adaptations and mechanisms of human heat acclimation: Applications for competitive athletes and sports. Scandinavian journal of medicine & science in sports25(1), 20–38. https://doi.org/10.1111/sms.12408

Rønnestad, B. R., Urianstad, T., Hamarsland, H., Hansen, J., Nygaard, H., Ellefsen, S., Hammarström, D., & Lundby, C. (2022). Heat Training Efficiently Increases and Maintains Hemoglobin Mass and Temperate Endurance Performance in Elite Cyclists. Medicine and science in sports and exercise, 54(9), 1515–1526. https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000002928

Sawka, M. N., Leon, L. R., Montain, S. J., & Sonna, L. A. (2011). Integrated physiological mechanisms of exercise performance, adaptation, and maladaptation to heat stress. Comprehensive Physiology, 1(4), 1883–1928. https://doi.org/10.1002/cphy.c100082

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